Stipendien – der Weg ist wichtiger als das Ziel

Was kommt dir eigentlich in den Sinn, wenn du das Wort „Stipendium“ hörst?

Für mich war das lange ein Bonus für einen kleinen Kreis besonders begabter und verbissen lernender Studenten, zu dem ich mich weder zählte noch überhaupt dazugehören wollte. Ganz normal können die ja wohl nicht sein – so mein Gefühl.

Schon ein bisschen komisch also, dass ich heute als Stipendiat einen Beitrag auf Studifutter schreiben darf. Wie es soweit kommen konnte? Davon will ich dir in den nächsten Zeilen näher berichten.

Stipendium – nein danke!?

Mein erster Kontakt mit dem Thema Stipendium kam am Ende meiner Schulzeit zustande, denn mit dem Abizeugnis wurde mir die Berechtigung verliehen, mich um ein Stipendium bei der Studienstiftung des deutschen Volkes zu bewerben.

Da man Geschenke ja selten ausschlagen sollte und wir Schwaben sowieso alles mitnehmen, was uns nur Zeit und kein Geld kostet, saß ich ein paar Monate später im Zug auf dem Weg zum Bewerbungswochenende. Und zwei Tage später auf dem Heimweg war mir auch schon klar, dass es mit einem Stipendium so schnell wohl nichts werden würde.
Trotzdem war dieses Wochenende irgendwie interessant, und die Leute dort so ganz anders als ich sie mir vorgestellt hatte. Ich merkte schnell, dass ich zwar um kein Stipendium, aber um eine wertvolle Erfahrung reicher geworden war.

Stipendium – was kann das denn eigentlich?

Bevor ich meine Geschichte weitererzähle, möchte ich kurz ein paar allgemeine Infos über Stipendien einstreuen. Sonst weißt du vielleicht gar nicht so richtig, worüber ich hier eigentlich schreibe.

Zuallererst – Stipendien gibt es ganz schön viele verschiedene. Die wohl bekanntesten sind neben dem Deutschlandstipendium, die Stipendien der Begabtenförderungswerke, die auf der Grafik unten gezeigt sind. Ein Stipendium bei einem dieser Werke bedeutet, dass ihr für die gesamte Dauer eures Studiums eine finanzielle und eine ideelle Förderung genießt.

Finanziell bekommt ihr zusätzlich zu dem nach BAföG berechneten Geld, von dem ihr allerdings nichts zurückzahlen müsst, einen festen Betrag von 300 € im Monat.

Ideelle Förderung heißt, ihr könnt an Seminaren teilnehmen, habt einen Mentor, der euch begleitet, könnt euch in Regional- oder Fachgruppen austauschen, könnt bei eurem Werk mitwirken etc. Also alles, was euch persönlich weiterbringt.

Eine spezielle Förderung von Auslandsaufenthalten oder Sprachkursen wird meistens auch noch geboten. Das nur als ganz kurzer Überblick: Für mehr Infos, besuche doch einfach die Webseite von stipendiumplus.de oder die Homepages der Werke in der Grafik.

Es gibt viele Vorteile durch ein Stipendium! (Quelle: www.stipendiumplus.de)

Stipendium – nun doch etwas für mich!

Zurück zu meiner Geschichte:
Ein halbes Jahr nach der Absage machte ich mich aus eigenem Antrieb dann nochmal an eine Bewerbung um ein Stipendium.

Das tolle ist, bei allen Werken außer der Studienstiftung kann man sich als Student/in jederzeit initiativ bewerben, ohne irgendwelche Voraussetzungen erfüllen zu müssen.

Die Bewerbung ist allerdings schon relativ aufwändig, da muss man neben klassischem Lebenslauf und Motivationsschreiben u.a. auch noch ein Gutachten von Lehrer oder Professor einreichen, bevor man dann zum persönlichen Gespräch und dann anschließend zum Auswahlwochenende eingeladen wird.

Ich entschied mich für das Evangelische Studienwerk Villigst, da ich zum einen von meinem Mitbewohner viel Gutes über Villigst gehört hatte und daneben schon lange in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv war. Und mit der Erfahrung der gescheiterten ersten Bewerbung lief es dieses Mal besser und am Ende stand die Aufnahme in den bunten Haufen der Villigster Stipendiaten.

Vom Informatiker bis zur Kunsthistorikerin, vom 1,0er Abi bis Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, vom Mitglied im Studierendenparlament bis zum Helfer im Flüchtlingsheim ist dort echt alles vertreten.

Stipendium – auch für dich!?

Stipendien also nur etwas für die Elite?
Keinesfalls!!

Vielmehr werden dafür Persönlichkeiten gesucht, die gute Leistungen mit Engagement und dem berühmten „Blick über den Tellerrand hinaus“ verbinden. Und wenn du jetzt sagst, das klingt ganz cool und eigentlich würdest du dich gerne bewerben aber du weißt nicht so recht, dann mach es einfach!

Was ich besonders aus meinem ersten gescheiterten Bewerbungsversuch mitgenommen habe, allein die Bewerbung zu schreiben und das Auswahlwochenende an sich, sind echt eine lehrreiche Erfahrung.

Schließlich wirst du dich im Lauf des Studiums und der Karriere noch öfter bewerben müssen und hast dann meistens mehr zu verlieren als „nur“ kein Stipendium zu bekommen.

Deshalb: Der Weg ist wichtiger als das Ziel – denn rund um ein Stipendium geht es nie darum, ein festes Ziel erreichen zu müssen, sondern auf einem spannenden Weg die Erfahrungen zu sammeln, die dich wirklich weiterbringen.

Simon Bulmann

1993 geboren, aufgewachsen in Stetten a.H. bei Heilbronn. Seit 2013 Studium Luft- und Raumfahrttechnik an der Uni Stuttgart, davor einen Freiwilligendienst in Indonesien absolviert. Vom evangelischen Studienwerk Villigst seit Anfang 2015 als Stipendiat gefördert.

1993 geboren, aufgewachsen in Stetten a.H. bei Heilbronn. Seit 2013 Studium Luft- und Raumfahrttechnik an der Uni Stuttgart, davor einen Freiwilligendienst in Indonesien absolviert. Vom evangelischen Studienwerk Villigst seit Anfang 2015 als Stipendiat gefördert.

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