Der Korea-Konflikt: Ein Besuch an der am schärfsten gesicherten Grenze der Welt (Teil 2)

Der Konflikt zwischen Süd- und Nordkorea ist spätestens seit den vielen Berichten um Kim Jong-un, dem Nordkoreanischen Anführer, den meisten Menschen bekannt. Eines meiner Ziele während meines Auslandssemesters war es daher, mehr über diesen Konflikt zu erfahren der die beiden Koreas seit mehr als 70 Jahren trennt. Daher habe ich die Grenze zwischen Süd- und Nordkorea besucht, die am Besten bewachte Grenze der Welt.

Besuch der Grenze (DMZ)

Die Vorbereitungen zum Grenzbesuch begannen schon eine Woche im Voraus mit der Anmeldung bei einer Reiseorganisation, welche Tagestouren zur demilitarisierten Zone (DMZ) anbietet. Aus Sicherheitsgründen musste man bereits hier einen Scan des eigenen Reisepasses einreichen. Die Tagestour war dabei in mehrere Orte unterteilt, welche ich kurz vorstellen möchte.

Soldaten der US-Armee besichtigen den dritten Infiltrationstunnel. ©USAG-Humphreys (CC BY 2.0)

Dritter Infiltrationstunnel

Im Laufe der Jahre nach den Waffenstillstandsverhandlungen entdeckte Südkorea mehrere Angriffstunnel der Nordkoreanischen Armee unter der Grenze hindurch. Davon sind heute vier bekannt, allerdings vermutet man das eine deutlich höhere Anzahl von unentdeckten Tunnel existiert. Der sogennante „dritte Infiltrationstunnel“ ist für Touristen begehbar, allerdings sind Kameras darin strengstens verboten. Da der eigentliche Tunnel in 70 Meter Tiefe liegt, gelangten wir dorthin mit einer kleinen Bahn. An sich ist der Tunnel relativ unspektakulär, es führen aber relativ viele Kabel und Belüftungsschächte hindurch. Jedoch habe ich mir durch meine Größe bzw. die niedrige Tunneldecke relativ oft den Kopf angestoßen – zum Glück ist das anscheinend schon öfters vorgekommen, denn alle erhielten vorab einen Helm.
Stellt man sich allerdings den eigentlichen Grund des Tunnels vor, erhält man auf die ganze Situation eine andere Sichtweise. Im Krisenfall hätten durch diesen Tunnel nämlich pro Stunde ca. 30.000 Nordkoreanische Soldaten in den Süden gelangen können.
Allerdings ist bis heute durch keine unabhängige Kommission geklärt, ob der bzw. die Tunnel tatsächlich von Nordkorea gebaut wurden. Die südkoreanische Regierung nennt als einzigen Beweis für diese These, dass die Bohrungen für die Sprengladungen innerhalb des Tunnels in Richtung Südkorea zeigen und der Tunnel daher von den Nordkoreanern in Richtung Südkorea gebaut wurde.

Dora Observatory

Südkorea hat auf einem kleinen Berg in Sichtweite zur direkten Grenze eine Aussichtsplattform mit großen Ferngläsern eingerichtet. Touristen können von dort aus dort einen Blick auf das nordkoreanische Dorf Kijŏng-dong und das Grenzgebiet werfen. Besonders aufgefallen sind mir an dieser Stelle die beiden nahe gelegenen Türme auf Süd- bzw. Nordkoreanischer Seite auf welchen die jeweilige Landesflagge gehisst ist. Der Nordkoreanische Flaggenmast hat dabei eine Höhe von 160 Metern und trägt nicht nur eine der größten Flaggen der Welt, sondern ist auch eine direkte Antwort auf die kleinere, Südkoreanische Flagge. Ich denke, dass alleine durch dieses kleine Beispiel der tiefe Konflikt zwischen den beiden Koreas deutlich wird.

  • Ferngläser ermöglichen den Touristen einen Blick nach Nordkorea. ©Studifutter.com
  • Blick nach Nordkorea
    Blick auf die nordkoreanische Seite. ©Studifutter.com
  • Eine der größten Flaggen der Welt auf nordkoreanischer Seite. ©Studifutter.com

Die Verhandlungsräume in der JSA

Das „Highlight“ der Grenze ist die militärische Siedlung Panmunjeom, offiziell Joint Security Area (JSA) genannt. Innerhalb dieser Siedlung befindet sich der einzige Punkt, an dem sich Süd -bzw. Nordkoreanische Soldaten direkt gegenüber stehen. Daher ist dieser Bereich auch durch eine zusätzliche, ca. 1 km breite Sicherheitszone innerhalb der eigentlichen DMZ geschützt. Auf dem Weg zu diesem Ort merkte ich auch ziemlich schnell, dass die Südkoreaner hier ganz anders als bei den bisherigen Sehenswürdigkeiten an der Grenze umgehen. Auf dem Weg zur JSA liefen nicht nur mehrere Male Südkoreanische Soldaten durch unseren Reisebus und kontrollierten nicht nur die Reisepässe, sondern wir mussten auch von unserem zivilen Reisebus in einen militärischen Bus umsteigen. Diese Soldaten prüften auch den vorab per E-Mail vorgegeben Dresscode innerhalb der JSA welcher u.a. das Tragen von Sandalen, Flip-Flops und weiter Kleidung verbietet.
Ab der inneren Sicherheitszone begleiteten uns die Südkoreanischen Soldaten auch im Bus und stellten vor allem sicher, dass wir auf dem Weg zur JSA keine Bilder der südkoreanischen Militäranlagen machten. Außerdem erklärte uns der Guide, dass alle Südkoreanischen Soldaten innerhalb der JSA keine Namensschilder sowie Rangabzeichen an ihrer Uniform haben, dafür aber Sonnenbrillen tragen, selbst an unserem Besuchstag an dem es regnete. Warum? Ganz einfach: Um herausfordernde Blickduelle durch nordkoreanische Soldaten zu verhindern.
Zusätzlich mussten wir auch eine Erklärung unterschreiben, welche folgenden Absatz enthielt:

„The visit to the Joint Security Area at Panmunjom will entail the entrance into a hostile are and the possibility of injury or death as a direct result of enemy action.“

Damit sicherten wir der südkoreanischen Regierung also zu, dass wir uns durchaus der Gefahr bewusst sind durch militärische Handlungen innerhalb der JSA verwundet oder getötet zu werden. Außerdem waren Gesten in Richtung der nordkoreanischen Seite strengstens verboten und noch weitere Verhaltensregeln aufgeführt.

Die JSA

Als wir letztendlich die JSA erreichten, musste man sich in Zweierreihen hintereinander stellen und wurde dann durch südkoreanische Soldaten zu den Verhandlungsräumen geführt. Vorher schärfte man uns noch Mal ein, alle Bilder nur in Richtung der nordkoreanischen Seite zu machen, keinesfalls jedoch von südkoreanischen Einrichtungen um Spionage zu verhindern. Innerhalb der JSA selbst waren zwar nicht viele Soldaten zu sehen, jedoch spürte man sofort das jede Provkation von einem der Koreas sofort schlimme Folgen haben könnte.
Während unseres Besuches bewachten daher ständig ca. zehn südkoreanische Soldaten jede Bewegung auf nordkoreanischer Seite um die Besuchergruppe zu „beschützen“. Innerhalb der Verhandlungsräume war es uns auch gestattet auf die nordkoreanische Seite des Raumes zu gehen und Fotos zu machen – diese Möglichkeit habe ich natürlich auch genutzt.
Normalerweise beobachten nordkoreanische Soldaten jede Besuchergruppe durch die Fenster des Hauses und machen dabei auch häufig Fotos der Besucher. Bei unserem Besuch haben wir jedoch nur einen nordkoreanischen Soldaten in einiger Entfernung stehen sehen.

  • Blick auf die Verhandlungsräume in Richtung nordkoreanischer Seite. ©Studifutter.com
  • Im inneren der Verhandlungsräume, fotografiert von der nordkoreanischen Seite. ©Studifutter.com
  • Die Grenze um welche sich alles dreht: Der unscheinbare Betonstreifen zwischen den Gebäuden. ©Studifutter.com

Geschichte trifft auf Gegenwart

Für mich war der Besuch das bisherige Highlight meines Auslandssemesters.  Das, was wir in Deutschland mit dem zweiten Weltkrieg als Geschichte bezeichnen hat für die Menschen in Korea bis heute noch starke Auswirkungen. Diese sind zwar im Alltagsleben der Südkoreaner nicht auf den ersten Blick zu sehen, allerdings wird der Konflikt immer deutlicher, je weiter man an die Grenze zu Nordkorea gelangt. Allein schon die Tatsache, dass man sich in einem Land aufhält, welches Formal noch immer im Krieg mit seinem Nachbarland steht (seit 1953 gilt lediglich das Waffenstillstandsabkommen) sollte jedem zu denken geben: Außerhalb Deutschlands ist die Geschichte noch lange nicht abgeschlossen ist. Daher ist dieser Ort nicht nur für Menschen interessant, welche sich für Geschichte oder die Weltpolitik interessieren, sondern ein Muss für jeden Besucher Koreas.

Die Fernsehsendung Galileo hat in einem Beitrag über Nordkorea bereits die Grenze von nordkoreanischer Seite aus besucht: Klicken um zum Beitrag zu gelangen.  (ca. 8 Minuten)

Hier geht es zu Teil 1 des Beitrags über die DMZ.

Christian

Christian studiert Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Heilbronn und ist einer der Gründer von studifutter. Neben seiner Arbeit für den Blog spielt er Volleyball und trainiert für seinen ersten Triathlon.

Christian studiert Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Heilbronn und ist einer der Gründer von studifutter. Neben seiner Arbeit für den Blog spielt er Volleyball und trainiert für seinen ersten Triathlon.

1 Response

  1. Evelin 25. November 2015 / 20:17

    Hallo Christian,

    im Gegensatz zu Dir weiß ich schon viel länger, dass sich Nord- und Südkorea nicht „grün“ sind, aber das, was Du da erfahren hast, war für mich weitgehend neu. Danke, sehr interessant!

    Dann halte auch weiterhin Augen und Ohren offen – freue mich schon auf weitere Berichte!

    Viel Spaß noch!

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