Der Korea-Konflikt: Ein Besuch an der am schärfsten gesicherten Grenze der Welt (Teil 1)

Der Konflikt zwischen Süd- und Nordkorea ist spätestens seit den vielen Berichten um Kim Jong-un, dem Nordkoreanischen Anführer, den meisten Menschen bekannt. Eines meiner Ziele während meines Auslandssemesters war es daher, mehr über diesen Konflikt zu erfahren der die beiden Koreas seit mehr als 70 Jahren trennt. Vorab möchte ich über die geschichtliche Entwicklung von Korea schreiben und erklären, warum es überhaupt zur heutigen Situation kommen konnte.

Bevor ich auf die aktuelle Situation Koreas eingehe, möchte ich die geschichtlichen Hintergründe erläutern und dabei vor allem erklären, wie es überhaupt zur heutigen Situation kommen konnte:

Der zweite Weltkrieg und dessen Folgen

Im zweiten Weltkrieg besetzte Japan das heutige Korea für ca. zwei Jahre. Die Besetzung wurde erst durch das Ende des Krieges im Jahr 1945 mit dem Ziel rückgängig gemacht, alle besetzten Gebiete ihren vorherigen Eigentümern zurückzugeben. Da Korea vor Beginn des zweiten Weltkriegs bereits ein eigenständiger Staat war, war auch zur damaligen Zeit ein freies und unabhängiges Korea das Ziel.
Dabei wurde Korea am 38. Breitengrad in zwei Gebiete aufgeteilt und jeweils unter eine Treuhandschaft gestellt. Die damalige Sowjetunion war für den Norden verantwortlich, die Vereinigten Staaten von Amerika für den südlichen Teil.

Kurz nach dem Einmarsch der Sowjetunion im heutigen Nordkorea wurde mit der Errichtung eines kommunistischen Systems begonnen. Das strategische Ziel der Sowjetunion bestand dabei hauptsächlich in der Etablierung einer Pufferzone zwischen dem „amerikanischen“ Süden und der damaligen Sowjetunion. Dieses Interesse der Sowjetunion war damals nicht ganz unbegründet, da sich Japan nach dem Ende des zweiten Weltkriegs schnell zu einem Verbündeten der USA entwickelte.
Die Sowjetunion hatte ab diesem Zeitpunkt auch kein wirkliches Interesse mehr an einer Vereinigung Koreas, weswegen die Verhandlungen bis 1947 ergebnislos blieben. Daher wandten sie die USA an die Vereinten Nationen um die Verhandlungen voranzubringen. Dieser Vorstoß wurde jedoch von der Sowjetunion als Provokation angesehen, da die „Koreafrage“ ursprünglich von einer US-sowjetischen Kommission gelöst werden sollte.

Am 10. Mai 1948 fanden im Südkoreanischen Gebiete schließlich Wahlen statt, welche allerdings von den linken Parteien boykottiert wurden. Die Antwort der Nordkoreanischen Gebiete war daraufhin die Gründung der Demokratischen Volksrepublik Korea mit eigenen Wahlen. Nach der erfolgreichen Durchführung der Nordkoreanischen Wahlen sahen sich nun beide Regierungen als rechtmäßige Verantwortliche für Korea an und kündigten an, diese Ansprüche auch militärisch durchsetzen zu wollen.

Der Koreakrieg

Szene während des Koreakriegs: US-Soldaten und ein Hubschrauber der US-Armee. ©USMC Archives (CC BY 2.0)

Dieser Anspruch führte schließlich am 25. Juni 1950 zum Angriff auf den Süden durch Nordkoreanische Soldaten. Dabei konnte die Nordkoreanische Armee bis tief in den Süden vordringen. Dieser Vorstoß konnte der Süden nur durch die Hilfe von UN-Truppen (die vor allem aus Soldaten der US-Armee bestand)  bis wiederum tief in den Norden, und dabei fast an die Grenze zu China, zurückdrängen. China sah dies als Bedrohung für die eigene Sicherheit und unterstütze Nordkorea bei der Verteidigung des Territoriums. Mit dem Eingreifen der UN-Truppen bzw. Chinesischen-Truppen festigte sich der Konflikte schlussendlich am 38. Breitengrad.

Die anschließenden Waffenstillstandsverhandlungen zogen sich dabei knapp drei Jahre und beinhalteten die Einrichtung einer 4 km breiten DMZ (Demilitarisierte Zone – Gebiet in dem keine militärischen Aktivitäten erlaubt sind) sowie der Einrichtungen von Verhandlungsräumen namens Panmunjeom.

Alltagsleben in Korea

Hinweis auf einen Bunker am Eingang einer U-Bahnstation. ©Studifutter.com

Schon seit meiner Ankunft in Korea sind mir die massiven Zeichen des Konflikts mit dem Nachbarland aufgefallen. Nicht nur, dass in Südkorea eine generelle Wehrpflicht mit einer zweijährigen Dauer gilt (in Nordkorea dauert die Wehrpflicht 10 Jahre), auch die Armee ist ständig präsent: Auf öffentlichen Plätzen und in öffentlichen Verkehrsmitteln trifft man sehr oft Soldaten, erkennbar an ihren Uniformen auf dem Weg nach Hause oder ihre jeweilige Kaserne. Selbst in unserer Universität ist die Armee stark präsent: Die meisten unserer Koreanischen Kommilitonen haben noch heute ihre Uniform im Schrank und müssen auch ab und zu an Manövern teilnehmen. Daneben gibt es auch noch Kommilitonen, welche als Reserveoffiziere tätig sind. Diese tragen auch während normaler Vorlesungstage ihre Ausgehuniform sowie ihr Barrett. Auch in Seoul sieht man deutlich die Vorsichtsmaßnahmen Südkoreas bezüglich dem Konflikt mit dem Norden. Sämtliche U-Bahnstationen innerhalb Seouls sind als Bunker ausgebaut und auch von außen deutlich so gekennzeichnet. Dieses Konzept sorgt dafür, dass die eigentlichen Gleise der U-Bahn sehr tief unter der Erde liegen und man somit etwas länger zum jeweiligen Zug braucht.
Diese Anzeichen des Konflikts zwischen den beiden Koreas haben mich weiter in meinem Wunsch bestärkt, mehr über die Teilung der Länder zu erfahren. Ein Grund war dabei mit Sicherheit auch der, dass Deutschland mit der Trennung zwischen BRD und DDR im letzten Jahrhundert eine ähnliche Situation gegeben war.

Die Fortsetzung mit einem Bericht über die heutige Situation gibt es im zweiten Teil.

Christian

Christian studiert Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Heilbronn und ist einer der Gründer von studifutter. Neben seiner Arbeit für den Blog spielt er Volleyball und trainiert für seinen ersten Triathlon.

Christian studiert Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Heilbronn und ist einer der Gründer von studifutter. Neben seiner Arbeit für den Blog spielt er Volleyball und trainiert für seinen ersten Triathlon.

1 Response

  1. Nina 23. November 2015 / 17:26

    Sehr informativ, das wusste ich bisher noch nicht so im Detail.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.