Auslandssemester in England

Ein Gastbeitrag von Marleen

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

heute habe ich die Ehre, hier einen Gastbeitrag veröffentlichen zu dürfen und euch, ähnlich wie es Christian schon immer tut, von meinem Auslandssemester zu berichten. Gerne möchte ich euch ermutigen, ebenfalls Studienerfahrungen im Ausland zu sammeln und euch bereits vorab einige Einblicke ermöglichen.

Blick auf den Big Ben und Westminster Abbey in London © studifutter.com

Bereits Mitte August habe ich Deutschland verlassen, um Richtung England aufzubrechen. Doch bevor ich direkt zu meinem Studienort hier im Norden Englands gefahren bin, wollte ich gerne noch das Land und vor allem die Leute und deren Kultur hier auf der Insel etwas besser kennenlernen, da ich noch niemals zuvor in Großbritannien war. Aus diesem Grund haben wir -mein Freund Marvin und ich- dem Studienaufenthalt eine knapp 30tägige Rucksacktour vorangestellt. Wir haben wirklich viele Orte gesehen und wer weiter die Klischees verfolgt, dass es in England nur regnet oder die Engländer reserviert seien und Gespräche über privates meiden, irrt.

Wunderschöne Landschaft in Cornwall © studifutter.com

Auf unserer Rundreise waren wir unter anderem zuerst in der Metropole London, anschließend im landschaftlich wunderschönen Cornwall, dann wieder zurück ins Stadtgewusel in Birmingham, Manchester und Liverpool und von dort aus weiter über die schottische Grenze nach Glasgow, Edinburgh und zum Abschluss noch wieder zurück in die wunderbar wilde Natur der Highlands.

Chinese Arch in Liverpool © studifutter.com

Ich selbst hätte niemals gedacht, dass ein bzw. zwei Länder eine derartige Vielfalt bieten, aber tatsächlich ist von Strand und Idylle über historische Altstädte bis hin zum neusten State of the Art in manchen Städten alles geboten. Auch die Leute waren sehr unterschiedlich, aber durch und durch alle meist nett, hilfsbereit und offen. Wir haben meistens über AirBnB direkt bei irgendwelchen Leuten daheim geschlafen und ihr glaubt nicht, wie entspannt man sein kann, obwohl quasi fremde Leute bei einem daheim wohnen.

Kelvingrove Art Gallery Glasgow © studifutter.com

Den Briten war das alles ziemlich egal und Gedanken, wie wir sie aus Deutschland vielleicht kennen wie „was macht der oder die jetzt bei mir daheim, wenn ich in der Arbeit bin?“, gibt es schlicht und einfach nicht.

Loch Ness in Inverness © studifutter.com

Auch das Vertrauen der Einheimischen untereinander ist meist ziemlich groß, oftmals sind die Haustüren bspw. sogar von außen offen, da sie nicht wie bei uns in Deutschland direkt ins Schloss fallen und dann nicht mehr zu öffnen sind, sondern eher wie eine normale Zimmertür funktionieren.

Nach guten vier Wochen aus dem Rucksack leben, war ich dann trotz der vielen tollen Eindrücke und Unternehmungen, etwas froh, endlich in Newcastle anzukommen. Nicht weil ich keine Lust mehr hatte neue Orte zu sehen, sondern einfach weil es nach einer so langen Zeit anstrengend werden kann, nirgends länger als ein bis zwei Tage zu rasten und immer nur aus dem Rucksack zu leben. Demnach war ich schon in meinem Zimmerchen im Studentenwohnheim einfach nur froh, endlich mal alles auspacken zu können und nicht gleich wieder los zu müssen. Doch auch sonst, habe ich es mit meinem Wohnheim hier eigentlich ganz gut erwischt. Ich bin in einem der neueren Wohnheime untergekommen, welche zwar nicht direkt auf dem Campus sind, aber dennoch zu Fuß alles gut machbar ist (5-10 Minuten zur Uni). Insgesamt gibt es hier an die zehn Wohnheime auf dem und um das Unigelände verteilt, was allerdings auch kein Wunder ist bei knapp 30.000 Studenten. Heilbronn hat zum Vergleich 8.400 inklusive aller Standorte. Dementsprechend groß ist hier auch sonst alles.

Blick auf das Gebäude der Stundent’s Union © studifutter.com

Allein der Campus ähnelt einer halben Stadt, mit insgesamt 39 Gebäuden, welche alle zur Uni gehören! Hier gibt es wirklich ALLES direkt auf dem Gelände, vom eigenen Supermarkt, über eine gigantische Bücherei, unzählige Labore und Lernräume, einen eigenen Bücherladen, einer Bar mit Restaurant, einem Café bis hin zum eigenen Sportzentrum mit Fitnessstudio und allem Drum und Dran ist wirklich alles vertreten. Mit am meisten begeistert mich persönlich, dass bspw. die Studentenunion ein eigenes, riesiges Gebäude hat, in welchem sie immer wieder Infoveranstaltungen oder Partys organisiert. Hierzu gehört z.B. auch die oben erwähnte Bar. Diese wird von Studenten für Studenten betrieben und alle Einnahmen, welche dort gemacht werden, werden wiederum dazu verwendet, den Studenten vergünstigte Ausflüge usw. anbieten zu können. Dieses System begeistert mich wirklich und der Zusammenhalt und das tolle Zusammenleben der Studenten sind auch wirklich zu spüren.

Sports Central auf dem Campus © studifutter.com

Ein weiteres Highlight ist für mich das riesige Sportangebot hier an der Uni. Bei dem riesigen Vereinsangebot, erscheint das Hauseigene Fitnessstudio schon fast nebensächlich. Teilweise gibt es hier Uniteams in Sportarten, welche ich selbst davor noch nicht mal gehört habe. Beispiele dafür sind Korfball oder Netball.

Natürlich gibt es hier auch alles andere was das Herz begehrt, wie bspw. ganz klassisch Rugby oder Volleyball, Boxen, Fußball, Hockey, Polo, Cheerleading, Tanzen, Skifahren, Reiten, Kanufahren, einige Kampfsportarten und… und und! Die Liste ist lang…

Nicht nur im freizeittechnischen Bereich ist die Uni hier top ausgestattet, auch alle Gebäude sind immer auf dem neusten Stand. Auch wenn sie von außen teilweise schon älter aussehen, überzeugt innen immer wieder aufs Neue. Natürlich gibt es wie bei uns in Deutschland auch einen Beamer und Whiteboards, aber bspw. gibt es noch weitere „studentische Luxusgüter“ wie gepolsterte Sitze oder Klimaanlagen in JEDEM Zimmer, was sich unsereins bspw. in Heilbronn als er im Juli mal wieder eine Klausur im A-Gebäude im 5. Stock schreiben durfte, nur in seinen Gedanken ausmalen konnte. 😉

Ein weiteres persönliches Highlight sind für mich auch Bildschirme, die vor jedem Zimmer hängen, auf welchen angezeigt wird, welche Kurse dort gerade wie lange stattfindet, was als nächstes folgt oder ob der Raum frei zum Lernen ist.

Letzteres Stichwort „eigenständiges Lernen“ besitzt hier auch nochmals einen ganz anderen Stellenwert als bei uns in Deutschland. Hier haben alle Studenten generell nicht so viele Vorlesungen wie wir es von Deutschland kennen, müssen aber sehr viel in Eigenregie erarbeiten und an Leistung erbringen. Mir persönlich gefällt diese Art und Weise des Lernens auch sehr gut, ist allerdings Geschmackssache und ich hab auch schon gehört, dass sich manche Leute wieder mehr auf ihren Frontalunterricht in Deutschland freuen.

Vielleicht interessiert es euch noch, wie es denn eigentlich mit dem Verstehen und inhaltlichen Folgen in den Vorlesungen und Laboren klappt. Im Gegensatz zum Alltag hier, ist es im Unterricht sehr entspannt, da die Professoren meistens versuchen, akzentfrei zu sprechen, was auch wirklich eine Wohltat ist, bei dem schweren Akzent, wie sie ihn hier einheimisch sprechen. Auch ansonsten sind die Professoren sehr flexibel was Austauschstudenten angeht und helfen wo sie nur können. Eigentlich gehen hier z.B. die meisten Lehrveranstaltungen über zwei Semester und dann gibt’s eine Prüfung am Ende. Allerdings sind wir ERASMUS+ Leute ja nur ein Semester hier, was wiederum bedeutet, dass wir eine gesonderte Prüfung oder ein gesondertes Projekt brauchen. Das hat wirklich aber immer ohne jegliche Komplikationen funktioniert und ist reibungsfrei über die Bühne gegangen.

Inhaltlich habe ich auch zumindest bis dato keinerlei Verständnisschwierigkeiten, was aber auch unserem hohen Standard daheim zu verdanken ist. Auch wenn wir technischen Studenten in Deutschland vielleicht manchmal über den Umfang und den Schwierigkeitsgrad, der uns abverlangt wird, fluchen, ist dies definitiv nicht umsonst. Ich habe hier schon wahnsinnig oft die Erfahrung gemacht, dass man fast schon bewundert wird, wenn man sagt, dass man Engineering in Deutschland studiert.

Außerdem kann man sich inhaltlich immer gleich mit reindenken, da man vieles schon mal, wenn auch manchmal nur am Rande einer Vorlesung bei uns daheim, gehört hat. Damals vor Ort hat man sich vielleicht gefragt, was diese Information jetzt konkret bringen soll, aber jetzt erinnert man sich zurück und freut sich, dass man das schon mal gehört hat… 😉

Demnach gibt es auch bei uns daheim an der Hochschule viele Sachen, die wirklich toll laufen, die man nach einem Auslandsaufenthalt auch nochmal anders zu schätzen weiß und mit anderen Augen betrachten kann.

Ausblick auf den Fluss Tyne, die Millenium Bridge und The Sage in Newcastle © studifutter.com

Zum Abschluss wollte ich euch noch ein paar Infos zum nicht-universitären Leben hier geben. 🙂 Newcastle ist eine wahnsinnig interessante und vielfältige Stadt. Dies spiegelt sich nicht nur in den verschiedenen Bauweisen und ganzen Stadtvierteln wider, sondern auch in der Bevölkerung an sich. Hier leben viele unterschiedliche, aber sehr, sehr tolerante Menschen. Außerdem muss man sagen, dass Newcastle nicht umsonst den Ruf als Studenten- und Partymetropole des Nordens Englands hat. Annähernd jeder 5. Einwohner Newcastles ist Student und demnach studentenfreundlich ist die Stadt auch. Angefangen von Rabatten in Einkaufsläden bis hin zu ganzen Shoppingnights wird hier von Seite der Handelsleute aus einiges getan, um die Studenten, die eben ein Großteil der Kundschaft ausmachen, bei Laune zu halten.

Nicht zu vergessen: Life is better at the beach 😉 Strand im Nachbarort von Newcastle ©Studifutter.com

Auch das Partyleben kommt hier wirklich nicht zu kurz, denn man kann -wenn man das denn möchte- sieben Tage pro Woche ausgehen, denn die meisten Clubs haben sowieso immer geöffnet und versuchen ebenfalls mit studentischen Angeboten zu locken. Generell muss ich zugeben, dass eine Partynacht mit Engländern wirklich ein Erlebnis sein kann, denn es kann schon mal sein, dass Spiderman oder eine Gruppe im Schlafanzug gekleideter Menschen, dir auf der Tanzfläche begegnen. „Dress to impress“ bekommt hier definitiv eine neue Bedeutung! 😉 Ansonsten sei so viel gesagt, dass die Engländer ihrem Ruf als Feierkönige treu bleiben…

Summa Summarum hoffe ich, dass ich euch nun einige Einblicke in meine Zeit hier in England geben konnte und wünsche euch allen, dass ihr ebenfalls eine so tolle Erfahrung in eurer Studienzeit sammeln dürft. Bei Fragen könnt ihr hier gerne jeder Zeit einen Kommentar o.ä. hinterlassen, ich bin stets bemüht, alles zu beantworten.

Und jetzt: Los geht’s! Es lohnt sich auf jeden Fall! Get out of your comfort zone 🙂

Marleen

Marleen studiert im vierten Semester Mechatronik und Mikrosystemtechnik an der Hochschule in Heilbronn und verbrachte ihr Auslandssemester in England. Dort studierte sie in Newcastle upon Tyne an der Northumbria University.

Marleen studiert im vierten Semester Mechatronik und Mikrosystemtechnik an der Hochschule in Heilbronn und verbrachte ihr Auslandssemester in England. Dort studierte sie in Newcastle upon Tyne an der Northumbria University.

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